Reisen mit Baby

So schnell kann es gehen, jetzt sind wir zu dritt. Also schnell stimmt nicht so ganz, immerhin 39 Wochen Brütezeit und 8 Monate bis zur ersten großen Reise. Noch wissen wir nicht, ob wir ein reisetaugliches Modell haben. Diese Info war im Lieferumfang nicht enthalten, überhaupt ist die Bedienungsanleitung recht spärlich und wir probieren rum was das Zeug hält und können nur glücklich sein, dass wir ein recht unkompliziertes Exemplar erwischt haben. Die Zeichen stehen gut und eine Wahl hat er nicht.

Wir sind jetzt Eltern, unglaublich, unvorstellbar, sollten wir jetzt endlich erwachsen werden oder gar schon sein? Macht uns das alt? Können wir all die tollen Reisen, die wir vorhatten, noch machen? Immerhin haben wir ein Baby im Schlepptau. Der Vorsatz lautete: der neue Erdenbewohner darf unser wunderbares Leben mitleben und wir machen weiter wie gehabt. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht das alles ja bekanntlich immer ein bisschen anders aus, aber so ganz ist das bei uns noch nicht angekommen. Wie gesagt, wir haben ein sehr pflegeleichtes Modell. Vielleicht kommt die Realitätswatsche noch, bisher ist alles wesentlich einfacher als wir uns diese ganze Kinderkiste vorgestellt hatten.

Die erste Destination ist kindgerecht gewählt. Gar nicht so einfach ein Land zu finden, das sowohl unserem Entdeckerdrang als auch den Ansprüchen eines Babys gerecht wird. Die Wahl fiel auf Mauritius aus folgenden Gründen und Überlegungen:

  • im Moment (Juli/August) ist dort Winter, wir können uns also auf angenehme Temperaturen zwischen 24-28 Grad tagsüber und 15-20 Grad in der Nacht bei 23 Grad Wassertemperatur freuen (Zwergenschweiß ist bei Jungeltern nicht begehrt)
  • Winter bedeutet nicht nur angenehmes Wetter, sondern auch außerhalb der Saison, was den Spaß trotz Fernreise relativ günstig macht und die Menschenmengen denen wir begegnen in Grenzen hält
  • es sind nur die Standardimpfungen empfohlen (für Tim heißt das die ersten beiden 6-fach Impfungen)
  • die Insel bietet viele Möglichkeiten, wir haben ein Auto und wollen ganz viele Ausflüge machen, in 6 Wochen sollte es machbar sein alles Interessante abzufahren und Tim kann in der riesigen Sandkiste namens Strand buddeln
  • laut Erzählungen sind viele Familien mit Kids im Sommer auf Mauritius. Unsere Chancen andere Paare mit Zwergen in einem ähnlichen Alter zu treffen stehen gut
  • wir haben mit Freunden und Fremden (ja, ich sollte einige davon zumindest schonmal gesehen haben… die Stilldemenz lässt grüßen) ein Haus (ohne Pool) gemietet und sind Selbstversorger
  • die medizinische Versorgung ist sehr gut
  • babytechnisch bekommt man Vorort alles, was man auch hierzulande erwerben kann
  • ach was red ich da, eigentlich hatten wir einfach nur Bock drauf und suchen um unser eigenes Gewissen, mit einem Baby um die halbe Welt zu fliegen, zu erleichtern nach Gründen die es vollkommen logisch erscheinen lassen, dass wir diese Reise in Angriff nehmen

Was definitiv anders ist als bisher ist das Packen. Wir hatten in unserer gesamten Reisekarriere noch nie so viel Gepäck und mit Koffern sind wir auch noch nie gereist (die Backpackingrucksäcke bleiben heuer zu Hause, bzw. ist meiner mit einer Freundin auf Weltreise).

Vor dem Flug habe ich noch ein bisschen Bammel. Weniger unseretwegen als wegen der armen Mitreisenden. Unsere Chancen stehen gut, dass neben uns niemand sitzt (da will ja auch gar keiner 12 Stunden verbringen), im Flieger sind laut Fluggesellschaft noch 45 Plätze frei und wir sollen früh zum Checkin Schalter kommen und denen das Baby entgegen halten, dann sollte sich das machen lassen. Reisen mit Baby hat also auch seine Vorteile: Priority check-in, mehr Beinfreiheit und mit ein bisschen Glück eine ganze Sitzreihe für uns

 

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