Ein Baum ist uns angesprungen 

11.8.
Ich bin sooo müde… Tim schläft ganz schlecht und turnt die halbe Nacht rum. Max spielt in der Früh immer eine Stunde mit ihm, damit ich noch ein bisschen schlafen kann (hab ich schonmal erwähnt was für einen tollen Mann ich habe und wie glücklich ich darüber bin, dass er der Vater meines Kindes ist?). 

Tim hat den Strandtag mit uns genossen, wir waren mit ihm schwimmen, haben im Sand gespielt, sind mit ihm durch die Gegend gefahren damit er im Auto noch ein bisschen länger schlafen konnte und haben mit großen Kindern gespielt (die findet er besonders spannend, Mädchen sind überhaupt das größte, wenn sie dann auch noch dunkle Haut haben ist Tim im siebten Himmel). 

12.8.

Das war die härteste Nacht seit Tims Geburt. Oder wir haben es schon wieder vergessen, kann auch sein. Während der Kurze am Nachmittag geschlafen hat und ich ihn bewacht habe (wir hatten es sehr gemütlich daheim im Bett), war Max kiten. 

Um etwa 16 Uhr hat er uns geholt und ich wollte aufs Wasser. Heute war ich motiviert und dann, dann war der Wind weg. Ich bin ewig weit raus gegangen, damit ich Platz habe und habe den Schirm nicht mehr in die Luft bekommen. Zuerst war ich noch optimistisch und habe es versucht und mich abgemüht, als ich dann endlich meinen Blick habe schweifen lassen ist mir aufgefallen dass sämtliche Kites in der Lagune am Wasser lagen. Ich war in guter Gesellschaft. Meine heutige sportliche Betätigung beschränkt sich aufs durchs Wasser waten und Kite auf und abbauen. 

Unverrichteter Dinge wollten wir wieder nach Hause fahren und dann machte es „BUMM…“ Beim zurücksetzen ist Max volle Wäsche in einen Baum geknallt. Die Heckscheibe ist zerbrochen, der Kofferraum komplett eingedellt. Das wird teuer. Wir hoffen nur dass wir versichert sind. Das Auto hat Sepp für uns organisiert, wir haben weder etwas unterschrieben, noch wissen wir ob und zu welchen Konditionen wir versichert sind. Im besten Fall müssen wir „nur“ einen Selbstbehalt zahlen, der hoffentlich maximal 600€ ausmacht. Das wäre die wirklich positivste Variante. Immerhin sind wir hier in Afrika, da ist alles ein wenig anders. Max geht es nicht gut, er macht sich Vorwürfe und entschuldigt sich in einer Tour. Ich bin der Überzeugung dass es keinen Sinn macht sich darüber zu ärgern, so etwas kann jedem passieren und rückgängig machen tut auch ein Schreianfall nichts. Es ist nur Blech, es ist nur Geld, Hauptsache uns allen geht es gut, wir sind erschrocken und das wars. Viel ist passiert, nichts ist geschehen. 

Es ist mir auch sehr wichtig, dass unser Sohn mitbekommt dass Unfälle passieren können. Dinge gehen kaputt, unabsichtlich, ohne Vorsatz und keinem wird der Kopf abgerissen wenn etwas passiert. Die Konsequenzen müssen getragen werden und das ist unangenehm genug, da braucht es nicht noch böse Worte von außen, nach einem Erlebnis wie diesem macht sich der Betroffene selbst Vorwürfe genug. Das reicht. Das wichtigste ist, dass alle unversehrt sind, Materielles lässt sich ersetzen, bezahlen oder auf eine andere Art ausgleichen. Mir ist wichtig dass mein Kind weiß, dass es immer zu uns kommen kann, egal was passiert ist, wir finden eine Lösung. 

13.8.

Das mit dem Auto ist geklärt, es kostet uns voraussichtlich 125€, da sind wir nochmal mit einem blauen Auge davongekommen. Richtig glauben können wir es wohl erst wenn alles über den Tisch ist… Wenn es wirklich so klappt beweist das wiedermal dass wir Glücksbärchis sind. 

Ich bin in beide Richtungen gefahren, richtig lange und habe Höhe gehalten. So macht kiten Spaß. Ein sehr geiles Gefühl. 


14.8.

So ein Sonnenschein unser Schatz normalerweise auch ist, mit anderen Babys kommt er derzeit gar nicht klar. Was auch immer ihn da so verunsichert, es führt dazu, dass er weint als würde die Welt untergehen, richtig mit Krokodilstränen, das volle Programm. Er klammert sich dann ganz verzweifelt an mich und will an die Brust. Oder aber er sitzt wie versteinert da und heult in seinem Unglück. Ich sage ihm dann, dass alles gut ist und spreche ein paar beruhigende Worte, besser weiß ich ihm nicht zu helfen. Hauptsächlich passiert das mit in etwa gleichaltrigen, bei älteren Kindern ist er wesentlich entspannter. Auch mit Erwachsenen ist es gerade schwierig, sobald er mich sieht geht die Welt unter bis er wieder bei mir ist. Er spielt ganz friedlich, kaum betrete ich sein Blickfeld beginnt er zu jammern und krabbelt im Eiltempo in meine Richtung. Gehört das zusammen, ist das seine Form des Fremdeln? 

Tim hat heute seine Zunge entdeckt, fasziniert wanderte sie nach draußen, wurde gezeigt und betatscht. Meine Zunge wollte er zum Vergleich auch sehen und anfassen, so gerne wie er Münder begutachtet… Wer weiß, vielleicht wird aus ihm ja ein Zahnarzt. Den Abend in der Bar haben wir mit dieser neuen Entdeckung jedenfalls gut verbracht. 

Winken kann er jetzt auch, das finden alle so entzückend und reagieren begeistert, dass er es ununterbrochen macht. 

Max war heute mein privater Kitelehrer. Nachdem zuerst ein Kite meinen Schirm und mich abgesäbelt hat, ging es ganz gut. Nicht berauschend aber passabel. Ich sammle blaue Flecken, meine derzeitigen Lieblinge sind die beiden blauen Striemen auf meinem linken Oberschenkel, die habe ich den Leinen eines unkontrolliert gestürzten Kites zu verdanken (der Neo war drüber, hat zwar geschnalzt aber nicht weiter weh getan).

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