Langstreckenflug mit Baby

Es ist 6:05 Uhr, ich habe noch nicht geschlafen und spüre meinen Hintern nicht mehr. Tim lag beim ersten Flug 3,5 Stunden auf mir und jetzt sind es mittlerweile wieder fast 5 Stunden in denen er wie ein kleiner Engel auf mir schläft. Dank einer Verspätung beim Flug nach Istanbul sind wir direkt vom Flieger zum Boarding spaziert, perfektes Timing. Den Buggy haben wir bei der Flugzeugtür abgegeben und auch dort wieder bekommen. Tim war sehr fasziniert vom Flieger und ist die Stunde, die wir bis zum Starten warten müssten, rumgeturnt. Dann hat er planmäßig getrunken und ist seitdem auch nicht wieder aufgewacht. Selbst als wir umgestiegen sind hat er sich in den Buggy legen lassen, dort weiter geschlafen und wieder raus heben und zum zweiten Starten ohne aufzuwachen an die Brust legen lassen und getrunken. Wir sind sprachlos. Er ist das perfekte Reisebaby. Ein bisschen mit der Crew und den umsitzenden Mitreisenden geshakert und dann eingeschlafen. Er liegt auf mir und wendet ab und zu den Kopf. 
Was beim Fliegen mit Kind anders ist als ohne:

  • Die Stewardessen sind hin und weg und wesentlich freundlicher als zu normalen Passagieren (also denen ohne süßem Baby) 
  • Mitreisende schenken einem viel mehr Beachtung – da lassen sich mehrere Typen beobachten: 
  1. Diejenigen, die Tim schon von weitem anlächeln und Grimassen schneiden (das sind mir die Liebsten) 
  2. Die Mitleidigen, denen die Frage „wisst ihr, worauf ihr euch da eingelassen habt?“ ins Gesicht geschrieben steht 
  3. Die Anklagenden, die am liebsten das Jugendamt einschalten würden und im vorbeigehen „das man sich das traut…“ murmeln 
  4. Die Ängstlichen, die Angstschweiß verströmen bei dem Gedanken wir könnten in ihrer Nähe sitzen 
  5. Die Gleichgesinnten, andere Paare mit Kindern, die einem verschwörerische Blicke zuwerfen und mit denen wir uns, ohne sie zu kennen, irgendwie verbunden fühlen
  6. Die „scheiß drauf, ich bin jung, hipp und selber laut“ Fraktion, bei denen uns auf den Lippen liegt sie zu bitten doch ein bisschen leiser zu sein, weil keiner im weiteren Umkreis einen guten Flug verbringen wird, wenn sie das brav schlummernde Baby wecken 
  7. Die positiv Überraschten, denen zuvor noch die Panik ins Mark gekrochen war und nach einem überstanden Flug neben uns, bei dem der Kleine keinen einzigen Mucks gemacht hat, lachen sie uns freudig an und gratulieren zum gelungenen Nachwuchs 
  • Man (in dem Fall wir) hat wesentlich mehr zu tragen (insgesamt haben wir 70kg dabei, plus Buggy und Handgepäck)
  • Dafür erweist sich der Buggy als überaus praktisch, das Handgepäck ins Wagerl packen zu können finden wir toll (dafür schleppen wir ein Kind rum, aber das zählt nicht :)) 
  • Ein Upgrade auf business class kostet auch mit Baby am Arm ein Vermögen (ist jetzt kein Unterschied, aber die Motivation es zu probieren ist verhältnismäßig größer) 
  • Mit Kind am Schoß hat man IMMER einen Fensterplatz (ist wegen den Sauerstoffmasken nicht anders möglich wobei ich befürchte mein Kind würde so oder so lieber ersticken als sich eine Maske aufsetzen zu lassen) 
  • Decken zu klauen ist nicht möglich, die werden einem geschenkt nachdem das Baby sie ausgiebig eingespeichelt und bespuckt hat. 
  • Die Sitze sind tausend mal unbequemer, wenn man ein Kind am Schoß sitzen/liegen hat. 

Bevor meine Eltern uns zum Flughafen gebracht haben hat sich Tim noch schnell die Lippe aufgeschlagen und beim Stereoanlage voll aufdrehen den Schock seines Lebens geholt. Damit uns nicht fad wird. 

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