Kambodscha wie es wirklich ist

Tag 31
Wir sitzen in einer Hütte, in einem kleinen Dorf, eine Stunde von Siem Reap entfernt. Tomas und seine Freundin haben uns mit zu ihrer Familie genommen. Ich glaube echter und wahrhaftiger kann man dieses Land nicht erleben… Ich bin so erschöpft von den ganzen neuen Eindrücken, dass ich gar nicht weiß wie ich anfangen soll.

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Ich habe heute Hund gegessen, Schlange hat mich weniger Überwindung gekostet. Wir haben den Tag mit Aneets Familie verbracht, waren dabei als unser Essen geschlachtet wurde (ein Huhn und eine Ente) und haben Hundebabys, deren Augen noch nicht offen waren an unseren Fingern saugen lassen. Wir sind mit einem Anhänger, der an ein Moped montiert war, durch die Gegend gefahren und es wurde uns Einblick ins wahre Leben in diesem Land gewährt. Unmengen an Kindern wuseln um uns herum, wollen fotografiert werden, wir haben das halbe Dorf auf Bier eingeladen und haben uns trotz massiver Verständigungsschwierigkeiten unterhalten. Alle sind unglaublich bemüht uns das Leben so einfach wie möglich hier zu machen. Diese Art der Gastfreundschaft fühlt sich irgendwie seltsam an. Hier haben sie so wenig und geben so viel.

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Gegessen wird alles, mit alles meine ich wirklich alles. Fische werden mitsamt ihrer Eingeweide zubereitet, Hühner und Enten ebenso. Sogar die Knochen werden gut gekaut und runtergeschluckt – es gibt nichts zu verschenken.

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Im Moment bin ich erschöpft und sagenhaft dankbar dafür, dass uns diese Erfahrung ermöglicht wurde.

Max hat übrigens kein Handy mehr, er hat es bei einer Tür unten hingelegt und die Türe wurde geschlossen. War nicht gerade die beste Idee, aber naja, ist nur ein Telefon, könnte weitaus schlimmer sein.

Tag 32
Wir haben mit der kompletten Familie in einer Holzhütte am Boden geschlafen, ein bisschen wie die Sardinen :). Der Holzboden war hart und unbequem, um 5 Uhr in der Früh haben die Tiere endgültig aufgehört zu schlafen und Ruhe zu geben und auch die Familie war um 6 wach. Trotz Moskitonetz hat es mich geguckt wie verrückt – eine tolle Erfahrung – Hab ich das schon erwähnt :)?

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Spätestens heute haben alle Kinder die Scheu vor uns verloren und wuseln unter und über uns drüber, halten Hand, kuscheln und sind wunderbare Khmer Lehrer. Ich würde am liebsten gleich eine Handvoll mitnehmen und bei uns einquartieren. Dass das nicht möglich ist ist mir klar, aber der Gedanke lässt mich irgendwie nicht los.

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Spätestens jetzt ist mir klar, das wir keine größere Wohnung brauchen… Noch nie war mir so sehr bewusst, wie anders das Leben sein kann und könnte als in diesem Moment, bei einer Familie die auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen ist, um die Miete zahlen zu können. Menschen die trotzalledem herzlich sind, uns -völlig Fremde willkommen heißen, uns Essen zubereitet und sich so sehr bemühen, dass wir es gut haben, dass ich schon fast ein schlechtes Gewissen habe.

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Die Häuser stehen auf Stelzen, das Leben findet unter den Häusern statt, auf 2x2m großen Holzbritschen. Rundherum laufen Hühner mit ihren Küken, Enten, Hunde und Welpen und zwei Kühe. Mist, egal welcher Art, Plastik, Dosen, Essensreste, einfach alles… Wird auf den Boden geworfen, wohin das ganze dann kommt weiß ich nicht. Ich stell mir das zu Hause ganz lustig vor, wenn man Besuch von Kambodschanern hat, alles landet auf der Erde.

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Als Dankeschön für die Gastfreundschaft haben wir insgesamt 100 Dollar gegeben, sicher nochmal 60 für Bier ausgegeben und Tomas hat für den kleinen Bruder seiner Freundin ein Fahrrad mitgebracht. Nicht zu vergessen die ca 500€ die uns das neue Handy von Max kosten wird… Und immer noch habe ich ein schlechtes Gewissen nicht genug gegeben zu haben. Sogar Lunchpakete wurden für uns heute im aller Früh hergerichtet.

Der Abschied der Familie hat mal wieder deutlich gemacht wie unterschiedlich unsere Kulturen sind. Keine Umarmung, keine wehmütigen Abschiedsküsse, nicht einmal eine ausgestreckte Hand. Das Kind, das erst in ein paar Monaten wieder kommen wird geht einfach, ohne große Worte, ohne feuchte Blicke.

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