Baby zu verschenken

Hard Facts Siem Reap
Massage 5 Dollar/Stunde

Tag 30
Der Night Market in Siem Reap ist großartig, der schönste Markt weit und breit, sauber, nicht pushy, entspannt. Empfehlenswert!

Tomas kam gestern mit seiner Freundin an, falls du dich nicht mehr erinnern kannst, das ist der Niederländer, der sich in eine Kambodschanerin verliebt hat und hier bleibt um in Phnom Phen ein Business zu eröffnen (falls irgendwer Interesse an einer Pub Crawl Tour in Südostasien hat, ich leite gerne Mails weiter). Und verdammt, ich glaube für dieses Mädchen würden einige Kerle auswandern :)!

Unglaublich, dass wir es wirklich geschafft haben uns noch einmal zu treffen! Überleg mal wie wahrscheinlich das ist, so gut wie gar nicht.

Wir waren tanzen, haben viel zu viel billigen Alkohol getrunken, waren in einer Bar auf deren obersten Terrasse eine Half Pipe steht (ja, sowas gibt’s wirklich) und hatten alles in allem eine tolle Zeit – Fortgehgeschichten lass ich der Einfachheit halber aus, ist ja eh immer das gleiche. Wer sie hören will darf sich gerne bei den Kommentaren beschweren, dann reiche ich sie nach 😉

Was viel interessanter als mein Hüftschwung ist waren zwei Situationen, die sich nicht nur in meiner Netzhaut sondern auch ganz tief in mir drin eingebrannt haben…

…Mir wurde gestern zum ersten Mal ein Baby auf der Straße angeboten. Lass dir das auf der Zunge zergehen, ein waschechtes kleines menschliches Wesen, mit Armen, Beinen, Gefühlen und Bedürfnissen. Ein junges Mädchen kam an uns vorbei, sie war maximal 14, ungepflegt, dreckig mit einem Baby im Tragetuch um ihren Körper geschlungen. Als sie direkt neben mir stand hielt sie mir ihr Kind entgegen „I don’t want my baby, please take it!“. Das ist mal eine Ansage. Meinem ersten Impuls folgend musste ich mich mit aller Kraft davon abhalten die Hände auszustrecken… Sie hatte Milchflecken auf ihrem T-Shirt, ich bin mir also ziemlich sicher, dass es ihres war.

Mir fehlen die Worte.

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Die zweite Sache ist eine ein bisschen andere. Liebe Mama, liebe Oma, vielleicht solltet ihr an diesem Punkt aufhören zu lesen… Ich hatte heute Nacht zum ersten Mal in meinem Leben ernsthaft Angst davor den nächsten Tag nicht zu erleben. Ein Unfall ist natürlich immer möglich und viele Dinge die ich und auch so ziemlich jeder Mensch den ich kenne, tue sind gefährlich. Ich rede also nicht von den alltäglichen Gefahren des stinknomalen Lebens (in ein Flugzeug steigen, über die Straße gehen, Fenster putzen – wobei, wer meine Fenster kennt weiß, dass die Gefahr dass ich bei dieser Tätigkeit umkomme relativ gering ist).

Vielleicht erscheint die Situation im Nachhinein betrachtet banal, vermutlich denkst du dir gleich „ach, was soll denn schon? Ist ja nichts dabei!“, aber glaube mir, es hat sich weder banal noch harmlos angefühlt, bedenkte: wir sind in Kambodscha, in einem Land in dem man einfach „verschwindet“, wenn man Kritik an der Regierung den falschen Personen gegenüber auch nur erwähnt.

Wir kamen dezent alkoholisiert (jaja, wir waren betrunken) aus einem Club (x-club, mit half Pipe am Dach und live Musik – ist einen Besuch wert) und es haben mal wieder Millionen (jaaaa, ich übertreibe) Tuktuk Fahrer auf uns gelauert (gewartet wäre das falsche Wort). Unser Hotel ist ca 8 Minuten Fußmarsch von der Pub Street (die heißt echt so, ist sogar mit Leuchtschildern als diese ausgezeichnet) entfernt (hihi, versprochen, das ist die letzte Klammer :)). Zuerst wollte der Fahrer 3 Dollar pro Person, was echt zu viel ist, außerdem wollte ich sowieso viel lieber zu Fuß gehen. Als er runter auf 1,50 insgesamt war, hat Max sich durchgesetzt und wir sind eingestiegen. Zu dem Zeitpunkt hab ich immer noch gesagt, dass ich lieber zu Fuß gehen würde und nur einsteige, wenn er denn Betrag genau hat – jaja, hat er. So und dann… Ja dann standen wir in der dunkelsten Gasse Siem Reaps und Max hatte doch nur einen Zehner… Da hab ich langsam begonnen mich so richtig unwohl zu fühlen. In Kambodscha werden Menschen für weniger als 10 Dollar und ein Handy abgestochen und er wusste ja außerdem nicht, dass wir nicht mehr dabei hatten. In der Gasse gibt es nur Hunde und Tuktuk Fahrer und die halten zusammen. Als der Fahrer uns falsch rausgegeben hat, wir hätten ca 6 Dollar zu viel bezahlt, hat Max begonnen zu diskutieren. Das Ende vom Lied: wir haben zu viel bezahlt, wurden nicht abgestochen, ich hab mir vor Angst fast in die Hose gemacht und Max hat hoffentlich gelernt, dass es manchmal vielleicht doch ganz gut ist auf mein Gefühl zu vertrauen (seit zwei Tagen laufen wir auf der Suche nach einem bestimmten Lokal konsequent in die falsche Richtung, weil der Herr felsenfest davon überzeugt ist, dass er es besser weiß als ich). Ich bin davon überzeugt, dass es knapp war, wütende Kambodschaner, die nichts zu verlieren haben sind nicht gerade die beste Gesellschaft.

Wenn ich das so lese klingt es doch sehr banal, eigentlich fast nicht der Rede wert. Aber das war es nicht. Ich weiß, dass wir ziemliche Glücksbärchis sind und oft mehr Glück als Verstand haben, aber ich weiß auch, dass mein Bauch mich nur selten im Stich lässt und ich nur deshalb 27 Jahre alt geworden bin (was, wer mich kennt kann das bestätigen, fast an ein Wunder grenzt), weil ich darauf vertrauen kann, dass mein Gefühl mich zuverlässig leitet.

Den Tag haben wir mit Tomas und Aneet in einem Kaffeehaus, auf einem Markt und im Pool verbracht. Ein bisschen Ruhe tut manchmal ganz gut.

Erst jetzt weiß ich wieviel Glück wir gestern Nacht wirklich hatten. Damian wurde von seinem Tuktuk Fahrer ausgeraubt, 50 Dollar sind weg, außer dass er an eine Wand gedrückt wurde ist nicht viel passiert und der Typ war sogar so nett und hat ihm die Geldbörse zurück gegeben. Glück im Unglück.

Ich hatte heute die seltsamste Massage aller Zeiten. Im Endeffekt habe ich 6 Dollar dafür gezahlt mich 40 Minuten lang mit einem 13 jährigen Mädchen zu unterhalten, das mir erzählt hat, dass sie Vormittags zur Schule geht und von 16-24 Uhr massiert, aufstehen muss sie um 6, um pünktlich um 7 in der Klasse zu sein, sie massiert aber nur Frauen – na immerhin! Ich habe es als Spende angesehen und mit ihr geplaudert, es ging mir dann doch etwas zu weit, als sie mir erzählt hat weshalb sie als Masseurin arbeitet… Die bessere Schule kostet 20 Dollar im Monat, wenn sie diese besuchen möchte, muss sie sich das selbst finanzieren, immerhin hat sie ja noch 4 Geschwister. In Kambodscha wird man schneller erwachsen, die Uhren ticken an diesem Ende der Welt anders.

Bisher wurden nur meine Flip Flops gestohlen, ich liege eindeutig unter dem Durchschnitt :).

Und ja, ich könnte hier leben, aber ich will es nicht. Aber ich würde sehr gerne noch länger Zeit haben.

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